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Was sind eigentlich Heilpraktiker:innen? Als Heilpraktikerin liegt es mir sehr am Herzen, darüber aufzuklären, was die Berufsbezeichnung überhaupt beinhaltet und was es dafür braucht, sie führen zu dürfen.

Für Heilpraktiker:innen gelten viele Gesetze, die es zu beachten gilt. Um die Heilpraktikererlaubnis zu bekommen, müssen laut Gesetzgebung – in dem Fall ist das Heilpraktikergesetz relevant – folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Das 25. Lebensjahres muss vollendet sein, ein Schulabschluss vorhanden, die gesundheitliche Eignung und die sittliche Zuverlässigkeit gegeben sein, und schlussendlich und vor allem müssen die schriftliche und die mündliche Überprüfung bestanden werden.

Heilpraktiker:innen dürfen wenn es medizinisch unbedenklich ist zwar Menschen mit alternativen Verfahren behandeln, dabei aber keine „Gefahr für die Volksgesundheit“ (Erste Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz § 2 (1)) darstellen, müssen sich also an alle für sie geltenden Gesetze halten, immer im Sinne ihrer „Sorgfaltspflicht“ (§ 276 Abs. 2 BGB), und unter Einhaltung aller anderen für sie geltenden Pflichten und Verbote arbeiten.

Die Idee des Berufsstand des Heilpraktikers ist, dass nicht jede:r gleich ein komplettes Medizinstudium absolvieren muss, um jemanden beraten oder behandeln zu dürfen. Allerdings muss selbstverständlich gegeben sein, dass diese Person dann nicht die körperliche oder geistige Gesundheit eines:r Patient:in aufs Spiel setzt. Genau da setzen die Überprüfungen an.

Unterschieden wird übrigens zwischen dem Heilpraktiker und dem Heilpraktiker Psychotherapie, auch bezeichnet als „großer Heilpraktiker“ und „kleiner Heilpraktiker“. Die Voraussetzungen um den jeweiligen Titel führen zu dürfen, sind dieselben, außer dass in den Überprüfungen zum Heilpraktiker Psychotherapie ausschließlich psychotherapeutisches Wissen abgefragt wird. Dieser darf dann aber auch keine körperlichen Leiden behandeln. Die Überprüfung zum:r Heilpraktiker:in hingegen schließt alle Fachrichtungen (von Neurologie, über Dermatologie, über Gastroenterologie u.v.m.) mit ein, wobei man selbstverständlich auf keinem der Gebiete Expert:in wird. - Das bräuchte natürlich ein jahrelanges Studium.

Trotzdem sollte man als Heilpraktiker:in ein Verständnis der Anatomie, Physiologie und Pathologie aller Organe des Menschen haben, sowie mögliche Diagnoseverfahren, Komplikationen und Therapieansätze kennen und ggf. erkennen. Man muss imstande sein Notfälle zu erkennen und entsprechend handeln zu können. Auch mögliche Krebserkrankungen oder andere schwerwiegende akute Geschehen gilt es zu erkennen, und zu wissen, an welche Spezialist:innen man die Patient:innen im Bedarfsfall weiterleitet. Selbstverständlich gehören auch chronische und autoimmunologische Erkrankungen zum Wissensschatz von Heilpraktiker:innen, da diese häufig da gefragt sind, wo die Schulmedizin keine abschließende Antwort hat. All dieses Wissen und Verständnis – übrigens rein schulmedizinischer Art – wird in den Überprüfungen abgefragt.

Nach bestandener schriftlicher Überprüfung, wird dann zur mündlichen eingeladen. Diese ist in allen Bundesländern, je nach Prüfer:in, unterschiedlich schwer. Hier müssen vor einer Amtsärztin oder einem Amtsarzt und eine:r Beisitzer:in zwei zufällig gezogene Fragen beantwortet werden; Gesetzes- und/oder Fachfragen.

Schlussendlich geht es darum, dass Heilpraktiker:innen imstande sein sollten differentialdiagnostisch zu denken und zu arbeiten, denn jedes Leiden einer Patientin oder eines Patienten kann verschiedene Ursachen haben. Wenn zum Beispiel ein:e Patient:in mit Rückenschmerzen in meine Praxis kommt, dann kann das viele unterschiedliche Gründe haben; einfach eine muskuläre Verspannung, durch körperliche Überlastung, eine Fehlhaltung oder Stress bedingt, einen Bandscheibenvorfall, oder auch ein Nierenleiden. Auch die Schmerzen bei einem Herzinfarkt oder einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse können in den Rücken ausstrahlen. Oder aber Osteoporose oder chronisch entzündliche Gelenkentzündungen können als Ursachen vorliegen. Dies sind nur einige der Ursachen für Rückenschmerzen die ich als Heilpraktikerin kennen, und in meiner Diagnose differential-diagnostisch gegenüberstellen können muss.

Müdigkeit, zum Beispiel, kann triviale Gründe haben, wie zu wenig Schlaf. Bei Fehlen einer solchen Erklärung, muss aber beispielsweise immer auch die Schilddrüse, eine Blutarmut (und die verschiedenen Ursachen), eine Mangelerscheinung, eine Depression, und vieles mehr als Ursache in Betracht gezogen werden.

Rückenschmerzen und Müdigkeit sind nur zwei der vielen Leitsymptome mit denen Patient:innen in eine Heilpraktiker-Praxis kommen könnten, bei denen der oder die Heilpraktiker:in dann zunächst alle möglichen Ursachen gegeneinander abgleichen muss, um dann zu einer der Verdachtsdiagnose entsprechenden Behandlung – oder eben zum Weiterleiten – der Patient:innen zu kommen. Behandeln können Heilpraktiker:innen dann in Anwendung des jeweiligen Verfahrens auf das sie sich spezialisieren. Möchten sie beispielsweise mit Akupunktur, Homöopathie oder Körper-therapeutisch (o.v.m.) arbeiten, müssen sie sich in dem jeweiligen Feld regelmäßig fortbilden, um das tun zu dürfen.

Kritisch hinterfragt wird von vielen Seiten verständlicher Weise, dass es den Heilpraktikeranwärter:innen in Deutschland frei steht, ob sie sich das erforderliche Wissen für die Überprüfungen autodidaktisch oder mithilfe einer Schule aneignen möchten. Jede:r kann sich zur Überprüfung anmelden, ohne eine Schule besucht zu haben. Kritisiert wird, dass es keine klaren Regularien und Standards für die Heilpraktikerausbildung gibt, zumal die bestandene Prüfung viele Rechte einräumt. Auch wenn durch das Infektionsschutzgesetz festgeschrieben ist, dass Heilpraktiker:innen viele Infektionskrankheiten oder auch sexuell übertragbare Krankheiten nicht behandeln dürfen, ist es doch grundsätzlich nicht verboten auch schwere Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebsleiden zu behandeln.

Dies ist ein weiterer Diskussionspunkt: Es steht Heilpraktiker:innen trotz fehlender Standards frei Krebspatient:innen (mit) zu behandeln. Das sollte laut Kritiker:innen verboten sein, da es in der Vergangenheit bereits zu fahrlässigen Falschbehandlungen kam. Hier ist zu betonen, dass es Heilpraktiker:innen zwar nicht verboten ist einige schwere Erkrankungen zu behandeln, dass sie aber jedoch natürlich immer unter Einhaltung ihrer Pflichten, wie zum Beispiel der Aufklärungs- oder der Sorgfaltspflicht arbeiten müssen. Patient:innen sind immer über die verschiedenen therapeutische Maßnahmen und Alternativen aufzuklären und zu informieren, oder auch laut der Sorgfaltspflicht an Fachärzt:innen weiterzuleiten, sollte das von der Heilpraktiker:in angebotene Verfahren sich nicht zur Behandlung des vorliegenden Leidens eignen. Wenn Heilpraktiker:innen verantwortungsvoll und rechtskonform handeln, behandeln sie schwere Erkrankungen, wie zum Beispiel ein Krebsleiden wenn überhaupt dann nur in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Onkologen. Weitere Informationen über die Verbote und Pflichten von Heilpraktiker:innen finden Sie in verschiedenen Gesetzen, so ist zum Beispiel laut Hebammengesetz die Geburtshilfe verboten, oder auch laut Zahnheilkundegesetz die Zahnheilkunde, u.v.m.

Ich persönlich habe mich dafür entschieden eine 2-jährige Heilpraktiker Ausbildung an der Arche Medica zu absolvieren, und fühle mich damit sehr wohl. Mein Ziel ist es als Heilpraktikerin mit dem Fokus auf Massage- und Körpertherapie zu arbeiten. Um verantwortungsvoll mit meinen Patient:innen arbeiten zu können, um mit und für sie verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, was die Behandlung ihrer körperlichen oder psychischen Leiden betrifft, brauche ich ein medizinisches Grundverständnis. Darum geht es beim Heilpraktiker.

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist, dass sich Heilpraktiker:innen im Vergleich zu Ärzt:innen ausreichend Zeit für ein ausführliches Anamnesegespräch oder eine gründliche Untersuchung nehmen können, da die Behandlung nicht von der Krankenkasse, sondern privat bezahlt werden muss. Einige Krankenkassen bieten allerdings Zusatzversicherungen an, die sich durchaus lohnen, wenn man regelmäßig alternativ-medizinische Verfahren und Beratungen in Anspruch nehmen möchte.

Zu mir können Sie sehr gerne kommen, wenn Sie:

- das Bedürfnis nach einer Zweitmeinung zu bestimmten medizinischen Themen haben

- sich einfach entspannen möchten und Massage Ihnen gut tut

- ein Leiden haben, bei dem die Schulmedizin nicht weiter kommt, und sie es gerne körpertherapeutisch versuchen möchten (siehe den Eintrag über Pantarei)

- eine Ernährungs- oder Lebensstilfrage beschäftigt

- ein Thema/offene Fragen oder Probleme mit einer Entscheidungsfindung haben

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